| Sagen und Geschichten |
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Eine lange Nacht Schon am Abend begann es zu regnen und es regnete fortwährend. Dazu stürmte es und der Nordwind schletzte die Fensterläden gegen die Mauern des Hauses. Draussen war es stockdunkel, nur das Stubenlicht warf ein Lichtkegel ein paar Meter weit hinaus in die Regennacht. Nicht gerade heimelig, eine solche Nacht Meine Mutter sass alleine im Wasserwärterhaus beim Arnisee. Am früheren Abend schon hatte mein Vater losziehen müssen um seinen Pflichten nachzugehen. Sein Auftrag war die Säuberung des Auffgangrechens im Intschialpbach damit das Wasser ohne Probleme abfliessen konnte. Bei solchem Wetter und Sturm war die Zuleitung meistens mit Holz und Geröll verstopft es konnte nicht zugewartet werden, bis am nächsten morgen. Mein Vater war sich solche Aufträge gewohnt und auch an diesem Abend ging er sofort, als es nicht aufhörte zu regnen. Meine Mutter sass, in Gedanken versunken alleine am Tisch. Die Kinder schliefen schon längstens. Ihre Gedanken kreisten um ihren Vater drunten im Tal der todkrank darnieder lag. Es war schnell gegangen, vor ein paar Wochen hatte ihn eine Grippe erwischt und sein Gesundheitszustand wurde laufend schlechter. Eben hatte man vom Maschinenhaus Amsteg herauftelefoniert dass der Vater am Sterben sei, sie sollte kommen. Das ging nicht, das schlechte Wetter - und die Kinder alleine, sie konnte nicht gehen. Dazu lag noch zuviel Schnee, das Hinuntersteigen war zu gefährlich. Müde geworden hoffte sie auf die baldige Rückkehr des Vaters und entschied sich ins Bett zu gehen. Im Bewusstsein dass es keine ruhig Nacht geben würde stieg sie die Holztreppen hinauf in die Kammer. Auch droben prasselte der Regen an die Fenster und der Wind schien kaum ein Moment zu ruhen. Unablässig pfiff er um die Hausecken. Immer wieder lauschte sie, ob nicht endlich die Fusstritte meines Vaters hörbar waren. Sie kuschelte sich in die Decken und versuchte zu schlafen. Plötzlich erschrack sie. Waren es nicht Schritte unten bei der Eingangstüre. Doch, es waren Schritte. Vom Halbschlaf nun plötzlich ganz aufgewacht lauschte sie. Abermals hörte sie die Schritte. Sie waren nicht schwer, sondern leicht, wie mit Filzpantoffeln. So tönten die Schritte meines Vaters nicht. Nun hörte sie nochmals ganz angestrengt hin. Ja, es waren Schritte. Sie kamen ganz langsam die Treppe hoch, etwas ziehend aber leicht und leise kamen sie näher, direkt zu ihrer Kammer. Eine furchtbare Angst ergriff sie und ihr Herz schien stillstehen zu wollen. Was sollte sie tun ? Sie begann zu beten. Plötzlich öffnete sich die nur leicht angelehnte Zimmertüre. Ein heller Schein, so wie wenn jemand draussen eine Lampe bewegen würde, schwebte der Schein durch die nun offene Türe und bewegte sich ohne Geräusch vor ihrem Bett langsam hin und her. Wie erstarrt lag sie da, und starrte mit weit geöfneten Augen den unheimlichen Schein an. Sie konnte es kaum fassen, dieses Licht, woher kam es. Nach ein paar langen Sekunden war es verschwunden. Nichts war mehr zusehen, alles dunkel und still. Die anfänglich unsägliche Angst wich einer unbekannten Gelassenheit. Das Herzt klopfte wieder normal. Draussen regnete es regelmässig, der Strum hatte aufgehört. Müde, sehr müde schlief sie ein. Gegen den frühen morgen kam mein Vater todmüde von seinem Rundgang zurück. Sie hörte ihn nicht nach Hause kommen, so tief schlief sie. Erst am nächsten Morgen beim Frühstück erzählte sie ihm haargenau was sie die letzte Nacht erlebt hatte. Auch er fand keine plausible Erklärung und meinte, dass es wohl der starke Sturm gewesen sein könnte oder eine Uebermüdung. Plausible Erklärung fand er sonst keine. Sie war jedoch ganz sicher, dass sie nicht geträumt hatte und dass es auch nicht der Sturm gewesen war. Mit einem eigenartigen Gefühl begann sie ihre Tagesarbeit. Im Laufe diese Morgens erhielt sie die traurige Nachricht vom Tal, dass ihr Vater eben die letzte Nacht gestorben sei. Sie wusste nun, dass er sich so von ihr verabschiedet hatte. |
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